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Teure Verpackung, gewöhnliche Münzen: China geht gegen Betrug mit Sammlerstücken vor

Teure Verpackung, gewöhnliche Münzen: China geht gegen Betrug mit Sammlerstücken vor

Zusammenfassung

Zwei gewöhnliche chinesische Gedenkmünzen werden in einer dekorativen Metallfassung für ein Vielfaches ihres Nennwerts verkauft. Angebliche Echtheitszertifikate, irreführende Angaben zum Goldgehalt und Versprechen hoher Wertsteigerungen sollen vor allem ältere Käufer zum Erwerb bewegen. Eine investigative Recherche des chinesischen Staatsfernsehens hat ein umfangreiches Geschäftsmodell rund um vermeintlich wertvolle Sammlermünzen offengelegt. Die chinesischen Behörden haben inzwischen die Regeln für den Münzhandel verschärft.

Der chinesische Markt für Sammlermünzen und Edelmetallprodukte wächst seit Jahren. Neben staatlichen Münzausgaben und etablierten Fachhändlern haben sich zahlreiche digitale Verkaufsangebote entwickelt. Insbesondere über Livestreams und Onlineplattformen werden Münzen, Medaillen und dekorative Edelmetallprodukte inzwischen direkt an Verbraucher verkauft. Diese Entwicklung eröffnet dem Handel neue Möglichkeiten, schafft jedoch auch Risiken. Eine aktuelle Recherche des chinesischen Staatsfernsehens CCTV zeigt, wie gewöhnliche Gedenkmünzen mit aufwendigen Verpackungen und irreführenden Produktbeschreibungen als vermeintlich seltene Wertanlagen angeboten werden.

Ausgangspunkt der Untersuchung war ein Produkt mit dem Namen „Long Ma Jing Shen“, sinngemäß „Geist von Drache und Pferd“. Das Set wurde in chinesischen Livestreams und Onlineshops für Preise zwischen 99 und 238 Yuan angeboten. Die Verkäufer warben mit der staatlichen Herkunft der enthaltenen Münzen, einer angeblich begrenzten Verfügbarkeit und hohen Wertsteigerungsaussichten. Tatsächlich enthielt die untersuchte Zusammenstellung jedoch lediglich zwei reguläre chinesische Gedenkmünzen mit einem Nennwert von jeweils zehn Yuan. Die Münzen waren in dekorative Metallfassungen eingesetzt und in einer aufwendig gestalteten Verpackung präsentiert worden.

Über die Ergebnisse der Untersuchung berichteten mehrere chinesische Medien. Am 2. September veröffentlichte das Nachrichtenportal Sina News einen Kommentar des regionalen Nachrichtenportals Xibu Wang, der insbesondere auf die gezielte Ansprache älterer Verbraucher aufmerksam machte. Eine ausführlichere Darstellung der journalistischen Recherchen war bereits Ende August über das chinesische Staatsfernsehen bekannt geworden.

Zwei gewöhnliche Gedenkmünzen werden zum Luxusprodukt

Besonders auffällig ist, dass es sich bei den verwendeten Münzen nicht um vollständige Fälschungen handelt. Die in den untersuchten Sets enthaltenen Stücke sind echte chinesische Umlaufgedenkmünzen. Sie wurden von der People’s Bank of China herausgegeben und sind zum jeweiligen Nennwert gesetzliches Zahlungsmittel. Problematisch ist vielmehr die anschließende kommerzielle Aufbereitung und Vermarktung.

Die untersuchten Sets enthielten unter anderem chinesische Gedenkmünzen zu den Tierkreiszeichen Drache und Pferd. Beide Ausgaben gehören zu den staatlichen Münzprogrammen und wurden in hohen Stückzahlen hergestellt. Nach den Recherchen des chinesischen Staatsfernsehens beträgt die Auflage der Pferde-Gedenkmünze 100 Millionen Exemplare, während die entsprechende Drachenmünze mit 120 Millionen Exemplaren ausgegeben wurde. Von einer außergewöhnlichen Seltenheit kann bei diesen regulären Münztypen daher nicht gesprochen werden.

Die Anbieter nutzten dennoch eine aufwendige Präsentation, um den Eindruck eines exklusiven Sammlerprodukts zu erzeugen. Die Münzen wurden in dekorative Fassungen eingesetzt, die teilweise mit goldfarbenen Oberflächen versehen waren. Hinzu kamen auffällige Verpackungen und Zertifikate, auf denen Begriffe wie Goldgehalt, traditionelle Handwerkskunst und besonderer Sammlerwert hervorgehoben wurden.

Für einen Käufer ohne numismatische Fachkenntnisse kann dadurch ein falscher Eindruck entstehen. Die amtliche Herkunft der eingelegten Gedenkmünzen wird mit der privat hergestellten Verpackung vermischt. Dabei ist ein offiziell ausgegebenes Zahlungsmittel keineswegs automatisch ein staatlich autorisiertes Sammlerset. Die zusätzliche Fassung besitzt einen eigenen Hersteller und einen eigenen Materialwert, der unabhängig vom Status der enthaltenen Münze beurteilt werden muss.

Zertifikate für einen Yuan sollen Vertrauen schaffen

Eine besonders wichtige Rolle spielten bei den untersuchten Produkten die beigefügten Zertifikate. Nach Angaben der CCTV-Recherche konnten entsprechende Bescheinigungen für lediglich einen Yuan pro Stück hergestellt werden. Sie enthielten Angaben zu angeblichen Edelmetallgehalten, besonderen Verarbeitungstechniken und vermeintlich wertvollen Sammlereigenschaften. Die Gestaltung erweckte den Eindruck einer unabhängigen Prüfung, ohne dass ein tatsächlich belastbarer Nachweis für die beworbenen Eigenschaften vorlag.

Einige Verpackungen enthielten Hinweise auf einen Goldgehalt von mindestens 999/1000. Tatsächlich bezogen sich entsprechende Werbeaussagen nach den Recherchen nur auf dünne goldhaltige Oberflächenbeschichtungen oder waren anderweitig irreführend. Der Materialwert der gesamten Zusammenstellung ließ sich daraus keineswegs ableiten. Auch die Verwendung von Begriffen für traditionelle Handwerksverfahren stellte sich nach Angaben der Recherche teilweise als unbegründet heraus. Die dekorativen Fassungen wurden demnach industriell gefertigt und anschließend mit gewöhnlichen Münzen kombiniert.

Ein weiterer Bestandteil der Vermarktung waren angeblich besondere Nummerierungen auf den Zertifikaten. Verkäufer stellten diese als Hinweis auf die Exklusivität einzelner Sets dar. Nach Angaben der recherchierenden Journalisten konnten entsprechende Nummern jedoch ohne erkennbaren Bezug zu einer tatsächlichen Auflagenbegrenzung erstellt werden. Ihre vermeintliche Bedeutung war damit vor allem Teil der Verkaufsargumentation.

Die ausführliche Veröffentlichung der CCTV-Recherche über das chinesische Nachrichtenportal CNR beschreibt die einzelnen Produktions- und Handelsstufen. Sie zeigt, wie gewöhnliche Münzen durch dekorative Fassungen, Zertifikate und Verkaufsversprechen in vermeintlich hochwertige Sammlerprodukte verwandelt wurden.

Von 50 Yuan Einkaufspreis auf bis zu 238 Yuan Verkaufspreis

Die wirtschaftliche Struktur des Geschäftsmodells ist besonders aufschlussreich. Nach den veröffentlichten Recherchen wurde eine der untersuchten Zusammenstellungen von einem Zwischenhändler für rund 50 Yuan bezogen. Im Einzelhandel erschien dasselbe Produkt anschließend für 99 Yuan, während vergleichbare Angebote in einzelnen Livestreams Preise von bis zu 238 Yuan erreichten.

Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis lässt sich nicht vollständig mit den tatsächlichen Handelskosten erklären. Zwar entstehen auch bei regulären Sammlerprodukten Aufwendungen für Verpackung, Werbung, Lagerhaltung und Vertrieb. Problematisch wird die Preisbildung jedoch dann, wenn Käufer durch falsche Angaben über den Materialwert, die Seltenheit oder die staatliche Autorisierung zu einem Kauf bewegt werden.

Bei den untersuchten Produkten beruhte ein erheblicher Teil der Verkaufsargumentation auf der behaupteten Exklusivität. Die Händler verwendeten Formulierungen, die eine außergewöhnlich geringe Auflage, eine aufwendige Herstellung oder eine besonders günstige Wertentwicklung nahelegten. Tatsächlich bestanden die Sets jedoch aus weit verbreiteten Gedenkmünzen und industriell gefertigten Zusatzteilen.

Die Untersuchung machte außerdem deutlich, wie stark der Vertrieb inzwischen auf digitale Verkaufsformate ausgerichtet ist. In einzelnen Livestreams wurden in kurzer Zeit mehrere hundert Sets verkauft. Mitarbeiter eines untersuchten Unternehmens erklärten gegenüber den Journalisten, dass für den Verkauf vor allem vorbereitete Werbetexte und standardisierte Präsentationsabläufe verwendet würden. Die wirtschaftliche Grundlage des Geschäftsmodells bestand damit weniger in einem besonderen numismatischen Produkt als in einer effizienten Vermarktung.

Ältere Käufer besonders betroffen

Nach den Recherchen richteten sich zahlreiche Angebote gezielt an ältere Menschen. Dabei nutzten die Verkäufer vor allem die Erwartung, mit seltenen Münzen eine langfristig wertvolle Sammlung aufbauen zu können. Die Produkte wurden als sichere Anlage, seltene Gelegenheit oder besonders empfehlenswertes Geschenk präsentiert.

Gerade bei Sammlermünzen kann eine solche Verkaufsstrategie wirksam sein. Die Bewertung einer Münze erfordert Fachkenntnisse, die sich nicht allein aus dem Nennwert oder einer offiziellen Verpackung ergeben. Eine echte Gedenkmünze muss nicht selten sein, und ein hochwertig gestaltetes Zertifikat garantiert weder einen bestimmten Materialwert noch eine spätere Wertsteigerung. Hinzu kommt, dass der offizielle Charakter einer chinesischen Gedenkmünze leicht auf die gesamte Produktzusammenstellung übertragen werden kann, obwohl die Zentralbank lediglich die enthaltene Münze ausgegeben hat.

Die gezielte Nutzung dieser Unterscheidung ist aus Verbraucherschutzsicht problematisch. Wer eine solche Zusammenstellung erwirbt, kauft nicht zwangsläufig eine gefälschte Münze, kann aber durch die irreführende Darstellung über die tatsächlichen Eigenschaften des Produkts getäuscht werden. Für eine sachgerechte Bewertung müssten deshalb die Münze, die Fassung, das Material und die behauptete Limitierung getrennt untersucht werden.

Neue Vorschriften sollen den Handel transparenter machen

Die Enthüllungen fallen in eine Phase verschärfter staatlicher Regulierung. Mit Wirkung vom 1. September 2026 haben die People’s Bank of China und die chinesische Marktaufsicht neue Vorschriften für den Handel mit Münzen und numismatischen Produkten in Kraft gesetzt. Die Bekanntmachung Nr. 19/2026 untersagt insbesondere irreführende Werbeaussagen, übertriebene Renditeversprechen und die unberechtigte Nutzung staatlicher Symbole.

Für nachträglich verpackte Gedenkmünzen sieht die Regelung ausdrücklich vor, dass das verantwortliche Unternehmen erkennbar sein muss. Außerdem dürfen private Hersteller und Verkäufer nicht den Eindruck erwecken, dass ihre Produkte von der chinesischen Zentralbank herausgegeben oder unterstützt werden, wenn eine entsprechende Autorisierung fehlt.

Die Vorschriften richten sich damit unmittelbar gegen mehrere problematische Praktiken, die in der Fernsehreportage dokumentiert wurden. Ob einzelne beteiligte Unternehmen gegen Strafvorschriften verstoßen haben, müssen jedoch die zuständigen Behörden im jeweiligen Verfahren feststellen. Aus den journalistischen Recherchen allein lässt sich kein rechtskräftiger strafrechtlicher Befund ableiten.

Der Sammlermarkt braucht nachvollziehbare Produktinformationen

Die chinesischen Enthüllungen verdeutlichen ein grundsätzliches Problem des modernen Münzhandels. Während staatliche Münzen durch amtliche Bekanntmachungen, technische Daten und offizielle Ausgabeprogramme eindeutig identifiziert werden können, sind privat zusammengestellte Sammlerprodukte häufig schwieriger zu beurteilen. Eine hochwertige Verpackung oder ein aufwendig gestaltetes Zertifikat sagt zunächst wenig über ihren tatsächlichen Wert aus.

Für Käufer ist deshalb entscheidend, welche Bestandteile eines Angebots von einer staatlichen Prägestätte stammen und welche von einem privaten Unternehmen ergänzt wurden. Auch die Angaben zu Feingehalt, Auflage und Zustand sollten sich anhand unabhängiger Unterlagen überprüfen lassen. Besonders vorsichtig ist bei Werbeversprechen zu sein, die zukünftige Wertsteigerungen oder eine nahezu risikolose Kapitalanlage in Aussicht stellen.

Die Vorgänge in China sind nicht ausschließlich ein Problem des dortigen Marktes. Auch international werden Münzen und Medaillen gelegentlich mit besonders hohen Auflagen, künstlich wirkenden Limitierungen oder fragwürdigen Wertversprechen angeboten. Die Grenze zwischen zulässiger Vermarktung und irreführender Werbung wird dabei häufig durch die konkrete Darstellung des Produkts bestimmt. Für den Münzhandel ist eine verlässliche Trennung zwischen amtlichen Ausgaben, privaten Veredelungen und dekorativen Sammlerprodukten deshalb von grundlegender Bedeutung.

Die chinesische Fernsehreportage zeigt, wie sich aus gewöhnlichen Gedenkmünzen durch Verpackung, Zertifikate und geschickte Verkaufsstrategien ein hochpreisiges Produkt entwickeln kann. Die neuen staatlichen Vorschriften sollen diese Praktiken eindämmen. Ob sie den digitalen Münzhandel dauerhaft transparenter machen, wird vor allem von ihrer konsequenten Durchsetzung abhängen.

Quellen und weiterführende Informationen

COINOSSEUR

Jahr

2017

Seiten

270

Format

DIN A5 (14,8 x 21,0 cm), Hochweriger Graustufen-Druck, Premium-Glanzpapier

Preis

24,90 Euro