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Chinas antike Schätze auf neuen Gold- und Silbermünzen: Fünf Kunstwerke erzählen von der Seidenstraße

Chinas antike Schätze auf neuen Gold- und Silbermünzen: Fünf Kunstwerke erzählen von der Seidenstraße

Zusammenfassung

Ein antikes Goldsiegel, ein ungewöhnliches Glasgefäß in Entenform und jahrhundertealte Keramikobjekte: China setzt seine Münzserie „Nationale Schätze“ mit fünf neuen Gold- und Silberprägungen fort. Im Mittelpunkt stehen Kunstwerke aus einer Zeit, in der sich unterschiedliche Kulturen, Handelswege und politische Herrschaftsräume im Gebiet des heutigen China begegneten. Die Münzen verbinden historische Originalobjekte mit modernen Prägetechniken.

Chinas Museen bewahren eine außergewöhnliche Vielfalt archäologischer Zeugnisse. Zu ihnen gehören Goldsiegel, Glasgefäße, Keramikfiguren und bildlich gestaltete Ziegel, die einen Einblick in das Leben früherer Jahrhunderte ermöglichen. Fünf solcher Objekte stehen nun im Mittelpunkt einer neuen Münzausgabe der chinesischen Zentralbank. Unter dem Titel „国家宝藏·融合交流“, sinngemäß „Nationale Schätze – Kulturelle Begegnung und Austausch“, sollen am 13. Juni 2026 insgesamt fünf Gedenkmünzen aus Gold und Silber erscheinen.

Die Ausgabe wurde gemeinsam von der People’s Bank of China und der chinesischen Denkmalverwaltung konzipiert. Sie konzentriert sich auf Kunstwerke aus der Zeit zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, als China von politischen Umbrüchen, regionalen Herrschaftsbildungen und intensiven kulturellen Kontakten geprägt war. Die ausgewählten Objekte verdeutlichen, wie eng politische Verwaltung, Handel, Mobilität und künstlerische Entwicklungen miteinander verbunden waren. Die vollständigen Münzmotive und technischen Daten wurden am 5. Juni in der amtlichen Bekanntmachung der People’s Bank of China auf Sina Finance veröffentlicht.

Ein Goldsiegel als Zeugnis politischer Herrschaft

Die größte Goldmünze des Programms enthält 15 Gramm Feingold und zeigt das sogenannte Goldsiegel des Jin-Herrschers für einen Qiang-Fürsten. Das historische Objekt trägt die chinesische Inschrift „晋归义羌侯“ und verweist auf politische Beziehungen zwischen dem damaligen chinesischen Herrschaftssystem und einer nicht-hanchinesischen Bevölkerungsgruppe im Nordwesten des Landes.

Derartige Siegel waren weit mehr als persönliche Schmuckstücke. Sie dokumentierten die Verleihung von Rang, Autorität und politischer Anerkennung. In einer Zeit, in der unterschiedliche Gruppen und regionale Herrschaftsträger miteinander konkurrierten oder kooperierten, konnten solche Insignien eine wichtige Rolle bei der Einbindung lokaler Eliten spielen. Das Goldsiegel steht damit für die institutionelle Seite des kulturellen Austauschs.

Die Münzgestaltung zeigt das historische Siegel mit seinem charakteristischen Griff, ergänzt um den Siegelabdruck, eine historische Kartenstruktur und Ornamente aus der Jin-Zeit. Durch die Kombination dieser Elemente wird das einzelne Fundstück in einen größeren geografischen und historischen Zusammenhang gestellt. Für die Herstellung werden mehrstufige Mattierungen und partielle Farbakzente eingesetzt, um die unterschiedlichen Bildebenen voneinander zu unterscheiden.

Die 15-Gramm-Goldmünze besitzt einen Durchmesser von 27 Millimetern, einen Nennwert von 200 Yuan und eine genehmigte Höchstauflage von 2.000 Exemplaren. Damit ist sie innerhalb der neuen Ausgabe die Prägung mit der niedrigsten Auflagenobergrenze.

Ein Glasgefäß zeigt die internationalen Handelsverbindungen

Die zweite Goldmünze besitzt ein Gewicht von drei Gramm und stellt ein außergewöhnliches archäologisches Objekt dar: ein Glasgefäß in der Form einer Ente. Das Gefäß stammt aus einem Grab der Zeit des Nördlichen Yan und wird mit dem historischen Herrschaftsträger Feng Sufu in Verbindung gebracht. Es gehört zu den bemerkenswerten Zeugnissen für die Verbreitung fremder Materialien, Formen und Fertigungstechniken in Ostasien.

Glasgefäße dieser Art sind für die Erforschung früher Handels- und Kulturkontakte besonders wichtig. Während China über eine lange eigene Tradition hochwertiger Keramikproduktion verfügte, gelangten bestimmte Glasobjekte und Herstellungstechniken über weitreichende Verbindungen aus anderen Regionen nach Ostasien. Solche Funde zeigen, dass wirtschaftlicher und kultureller Austausch nicht erst mit den großen maritimen Handelsnetzwerken der Neuzeit begann.

Die Münze kombiniert das Glasgefäß mit einer Darstellung historischer Austauschwege und einem goldenen Haarschmuck. Die Gestaltung verweist auf die sogenannte Grasland-Seidenstraße, über die Waren, Kunstformen und kulturelle Einflüsse zwischen unterschiedlichen Regionen verbreitet wurden. Auf der Münzoberfläche werden unter anderem Farbakzente und metallische Kontraste verwendet, um den besonderen Charakter des gläsernen Originalobjekts wiederzugeben.

Die Goldmünze enthält drei Gramm Feingold, misst 18 Millimeter und besitzt einen Nennwert von 50 Yuan. Die genehmigte Höchstauflage beträgt 5.000 Exemplare. Eine ausführliche Vorstellung der Münzserie auf Sina News erläutert die ausgewählten Kunstwerke und mehrere gestalterische Besonderheiten.

Boten, Schreiber und buddhistische Kunst auf Silber

Die drei Silbermünzen besitzen jeweils ein Feingewicht von 15 Gramm und widmen sich weiteren Kunstwerken aus der chinesischen Geschichte. Eine Ausgabe zeigt einen historischen Bildziegel mit einer Botendarstellung. Das Objekt erinnert an die Bedeutung von Nachrichtenübermittlung und Transport in vormodernen Herrschaftssystemen. Boten waren für die Verbindung zwischen Verwaltungszentren, regionalen Behörden und militärischen Einrichtungen unverzichtbar.

Eine weitere Silbermünze zeigt zwei einander zugewandte Keramikfiguren, die mit Schrift und Gelehrsamkeit verbunden werden. Ergänzt wird die Darstellung durch Bambusschriftstücke. Solche Motive machen sichtbar, dass Schriftlichkeit, Verwaltung und kulturelle Bildung in der chinesischen Geschichte eng miteinander verflochten waren. Gleichzeitig lässt sich an ihnen die Bedeutung erkennen, die das geschriebene Wort für die Entwicklung staatlicher Institutionen besaß.

Die dritte Silbermünze stellt ein Seladon-Gefäß in Form einer Lotusvase dar. Derartige Objekte sind wichtige Zeugnisse für die Entwicklung der chinesischen Keramikkunst und die zunehmende Bedeutung buddhistisch geprägter Motive. Die Lotusblume besitzt im Buddhismus eine starke symbolische Bedeutung und wurde in verschiedenen asiatischen Kunsttraditionen immer wieder aufgegriffen.

Alle drei Silbermünzen besitzen einen Durchmesser von 33 Millimetern, einen Nennwert von fünf Yuan und eine Höchstauflage von jeweils 10.000 Exemplaren. Sie werden ebenso wie die beiden Goldausgaben in Proof-Qualität mit einer Feinheit von 999/1000 hergestellt.

Warum Kulturgüter für den Münzmarkt interessant sind

Die Serie „Nationale Schätze“ ist aus wirtschaftlicher und numismatischer Sicht bemerkenswert, weil sie mit historischen Originalobjekten arbeitet. Anders als bei frei gestalteten Tier- oder Fantasiemotiven existieren zu den dargestellten Gegenständen archäologische Funde, wissenschaftliche Beschreibungen und museale Sammlungen. Die Münzen können deshalb zugleich als Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit Geschichte und Kunstgeschichte dienen.

Für die staatliche Münzprägung eröffnet dies zusätzliche Möglichkeiten. Die enge Zusammenarbeit mit Museen und Denkmalinstitutionen verleiht den Ausgaben eine dokumentarische Grundlage. Zugleich können die Hersteller mit aufwendigen Prägetechniken versuchen, unterschiedliche Materialoberflächen wie Glas, Gold oder glasierte Keramik überzeugend auf Münzen wiederzugeben.

Auch die Auswahl der Gewichte ist auf den Sammlermarkt ausgerichtet. Während die Goldmünzen mit drei und 15 Gramm unterschiedliche Preisbereiche abdecken, bieten die drei Silberausgaben mit jeweils 15 Gramm einen vergleichsweise leichteren Zugang zum vollständigen Motivprogramm. Die begrenzten Höchstauflagen sollen die Ausgaben innerhalb des modernen chinesischen Sammlermünzenmarktes positionieren.

Mit der neuen Serie greift China eine Epoche auf, die von politischer Vielfalt und wirtschaftlichen Austauschbeziehungen geprägt war. Goldsiegel, Glasgefäße, Keramikfiguren und Bildziegel machen deutlich, dass Kulturgeschichte nicht allein aus den Leistungen einzelner Herrscher besteht. Sie entsteht auch durch Handel, Verwaltung, Mobilität und die Begegnung unterschiedlicher Gesellschaften. Die fünf Münzen versuchen, diese Zusammenhänge in einem numismatischen Programm sichtbar zu machen.

Quellen und weiterführende Informationen

COINOSSEUR

Jahr

2017

Seiten

270

Format

DIN A5 (14,8 x 21,0 cm), Hochweriger Graustufen-Druck, Premium-Glanzpapier

Preis

24,90 Euro